PM-SEMINAR
Wirtschaftsinformatik-Studierende optimieren Leadmanagement bei Swiss Life
Studierende aus dem Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ entwickelten im Projektmanagement-Seminar 2024 für Swiss Life innerhalb weniger Tage Data Science-Modelle, um ihr Leadmanagement zu optimieren. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen das enorme Potenzial praxisnaher Projekte in der Hochschulausbildung.
Im Rahmen der berufsbegleitenden Bachelor-Studiengänge in Business Communications (BBC) und Wirtschaftsinformatik (BWI) führt die HWZ Projektmanagement-Seminare durch, wobei die Studierenden innovative Lösungen für reale Praxis-Cases erarbeiteten.
Das jüngste Projekt, in Zusammenarbeit mit Swiss Life, fand Mitte April statt. Studierende des Bachelor-Studiengangs Wirtschaftsinformatik der HWZ verbrachten intensive Tage in Murg, um im Auftrag von Swiss Life ein Data Science-Projekt durchzuführen und dabei Data Science-Modelle zu entwickeln. Ihr Ziel war es, mittels Data Analytics und Machine Learning das Leadmanagement bei Swiss Life zu optimieren.
Die daraus gewonnenen Ergebnisse waren bemerkenswert und äusserst spannend.
- Unter anderem wurde herausgefunden, dass Beraterinnen eine höhere Chance haben, einen Vertragsabschluss zu erzielen als Berater.
- Ebenso identifizierten die Studierenden bestimmte Kundenprofile mit einer erhöhten Abschlusswahrscheinlichkeit.
- Drei Leistungsgruppen: Unternehmen lassen sich in drei Leistungsgruppen einteilen, welche anhand der Werte, die sie in Bezug auf ihre Klimakommunikation erreichen, entstehen. Besonders in der tiefsten Leistungsgruppe besteht ein hohes Risiko für Vorwürfe bzgl. Greenwashing (verzerrte und beschönigende Darstellung von Klimaschutzmassnahmen) und Greenhushing (Zurückhalten relevanter Informationen).
- Tiefe Einstufungen in sozialen Medien: Die 46 im «Swiss Reputation Ranking» gelisteten und untersuchten Schweizer Unternehmen zeigen generell schlechte Bewertungen in ihrer Klimakommunikation auf sozialen Medien. Unternehmensberichte dagegen sind meist besser bewertet, jedoch gibt es auch hier teils erhebliches Verbesserungspotenzial.
- Unabhängigkeit von Reputation und Unternehmensform: Es gibt keinen auffallenden Zusammenhang zwischen der geleisteten Klimakommunikation eines Unternehmens und seiner öffentlichen Reputation gemäss «Swiss Reputation Ranking». Die Reputation eines Unternehmens ist also grundsätzlich unabhängig von seiner Klimakommunikation.
Risikoprofile Reputationsrisiko
- Unternehmen mit geringem Reputationsrisiko: Holcim zeichnet sich durch vorbildliche Klimakommunikation aus, und zwar in den Nachhaltigkeitsberichten wie auch in den sozialen Medien. Auch andere international tätige Unternehmen wie Swiss Re, Nestlé, Swisscom und Credit Suisse zeigen gute Ansätze, insbesondere in ihren Nachhaltigkeitsberichten. Allerdings besteht bei ihnen Nachholbedarf, besonders in sozialen Medien.
- Unternehmen mit mittlerem Reputationsrisiko: Konzerne wie Novartis, ABB und Migros zeigen in ihren Berichten eine durchschnittliche bis gute Kommunikationsleistung, haben jedoch ebenfalls Defizite in sozialen Medien. Diese Unternehmen müssen detailliertere und häufigere Informationen bereitstellen, um mögliche Reputationsrisiken zu minimieren.
- Unternehmen mit hohem Reputationsrisiko: Unternehmen wie Landi, Securitas und Zweifel kommunizieren kaum über ihre Klimaschutzmassnahmen, weder in Berichten noch auf sozialen Medien. Diese Unternehmen sind besonders anfällig für Greenhushing-Vorwürfe und müssen dringend ihre Kommunikationsstrategien verbessern.
Was muss jetzt passieren?
«Die Ergebnisse verdeutlichen, dass vermehrt eine präzisere und intensivere Klimakommunikation erforderlich ist. Unternehmen sollten detaillierte und umfassende Informationen sowohl in Berichten als auch in sozialen Medien bereitstellen, um Reputationsrisiken zu minimieren und marktrelevante Glaubwürdigkeit zu stärken», betont Prof. Dr. Claude Meier.
Holcim zeigt sowohl in Berichten als auch auf sozialen Medien eine hohe Kommunikationsleistung und hebt sich deutlich von anderen Unternehmen ab. Allerdings, so Claude Meier weiter, stehe für Holcim mit seinem sehr hohen CO₂-Ausstoss im Kerngeschäft die Thematik des klimafreundlicheren Produzierens stark im Vordergrund. Dies begünstige auch, dass Holcim der Klimakommunikation einen hohen Stellenwert einräumt. Umgekehrt stünden bei anderen Unternehmen aufgrund ihrer spezifischen Situation möglicherweise andere Nachhaltigkeitsbereiche stärker im Vordergrund (z. B. Beschaffung von Rohstoffen aus dem globalen Süden; Tierwohl). Wiederum andere haben bezüglich Klima bereits einen guten Ruf, weshalb sie die Klimakommunikation nicht noch intensiver pushen (z. B. SBB). Diese Begründungen und andere Nachhaltigkeitsbereiche waren jedoch nicht Gegenstand der vorliegenden Studie.
Weiters zeigen Unternehmen wie ABB und Migros in ihren Unternehmensberichten gute Ansätze, jedoch fehlt es an ausreichender und detaillierter Kommunikation auf sozialen Medien. Diese Lücke sollte geschlossen werden, um eine umfassende und glaubwürdige Klimakommunikation zu gewährleisten.
Firmen wie Landi und Securitas haben akuten Handlungsbedarf und müssen dringend die Klimakommunikation verbessern, um ein Reputationsrisiko zu vermeiden, insbesondere im Hinblick auf Greenhushing-Vorwürfe.